Lila ist Out – Was tun ohne den 500er?

Man stelle sich nur mal vor: Samstag Abend, das Glas ist mit dem edlen Whiskey gefüllt, man hat endlich die richtige Sitzposition gefunden – doch der bewährte Anzünder für die Zigarre wird nicht mehr herausgegeben! Mit einem fünfer fühlt man sich dann doch sehr schäbig, es fehlt die zeitlose Eleganz des lila Riesen. Was Klingt wie ein Auszug aus einem dystopischen Roman soll nun Wirklichkeit werden.

Die EZB will den 500-Euro-Schein über die Planke springen lassen. Die Begründung dafür ist die Beliebtheit bei Fälschern und die Finanzierung von Terrororganisationen. Dem Durchschnittsbürger dürfte das Ende des Scheines im Alltag kaum auffallen – zumindest noch nicht.

Ausblick auf die Zukunft

Das Entfernen des Scheines aus dem Zahlungsverkehr wird langfristig keine Änderung herbeiführen. Geldfälscher werden sich andere Scheine vornehmen. Das bringt zwar einen weniger hohen Umsatz, lohnt sich aber immer noch

Problematisch ist nicht, dass dieser Schein verschwindet, sondern dass die Maßnahme den Weg für weitere Schritte bereitet. Schon bald könnte das Bargeld komplett aus unseren Briefbörsen verschwinden. Klingt erstmal gar nicht so dramatisch, wir haben ja alle EC/Kredit-Karten. Die verraten aber mehr über uns, als den meisten bewusst ist.

Ich weiß, wo du letzten Sommer eingekauft hast

Die Abschaffung von Bargeld ebnet eine erneute Einschränkung der Privatsphäre. Wer wann was wo gekauft hat wäre dann schnell einsehbar. Das Playboymagazin vom März? Wir wissen, dass du das hast. Das Sexspielzeug? Klar, wir kennen deine Vorlieben im Bett. Ach, du kaufst Eier aus Bodenhaltung? Das ist ja interessant.

Solche Informationen könnten tatsächlich über jeden verfügbar werden, wenn das Bargeld in die ewigen Jagdgründe geschickt wird. In den USA ist das stellenweise schon der Fall. Angenehm ist das für den Verbraucher meistens nicht. Facebook überflutet uns bereits mit personalisierter Werbung, meinen Briefkasten möchte ich davon doch bitte verschont wissen.

Mancher mag sich nun denken: “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten”. Es hat aber seinen Grund, warum ich nicht mein komplettes Leben auf den sozialen Medien ausbreite. Manche Dinge gehen niemanden etwas an, auch nicht meine Regierung. Ich will nicht in einer Welt leben, in der man mir bei jedem Schritt ganz genau auf die Finger schauen kann. Weder der Staat, noch irgendwelche Konzerne sollten dazu in der Lage sein.

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Über das Handy kann man bereits jetzt den Standort einer Person präzise ermitteln, das vermehrte Aufkommen von Überwachungskameras erleichtert das ganze noch einmal. Klar, diese Aufzeichnungen werden nicht ewig gespeichert, aber sie existieren. Der Staat kann sich so einen Überblick verschaffen. Firmen haben damit aber ganz andere Pläne.

Das Geschäft mit den Daten

Die Rede ist – natürlich – vom UMSATZ. Unsere Daten, die wir jetzt schon unglaublich großzügig verteilen, dienen anderen als Geschäftsmodell für gigantische Einkommensquellen. Unternehmen wie Facebook und Google stehen nicht umsonst weit oben auf den Listen der Verdiener. Werbeanbieter und Unternehmen zahlen gerne und vor allem gut für unsere persönlichen Informationen. Mit gezielter Werbung lässt sich ein Vermögen verdienen. Und auch in der Marktforschung steckt eine Menge Kapital.

Letztlich ist die Abschaffung des lila Scheines an sich kein großes Drama, doch die daraus resultierenden Konsequenzen könnten uns durchaus in eine Zukunft führen, in der sich die meisten von uns nicht wohl fühlen werden.

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